3 Fragen an…

Wie war der Anfang? Wie ging es los mit Eurem Friedhofscafé?

Die Idee zu so einem Ort kam aus den eigenen Reihen. Unser damaliger Kolpingbruder Peter Walter wurde mehrmals auf einen Ort der Begegnung zur Trauerbewältigung angesprochen. Gerne nahm unser Geistlicher Leiter, Dietmar Prielipp diese Idee auf. Nach einer Anfangsphase in einem Zelt auf dem Friedhofsgelände nahmen wir Kontakt auf zur Stadt Willich, der Eigentümerin der Anlage. Seitdem steht ein Pavilion neben der Kapelle und ist ein überkonfessioneller Ort der Begegnung mit Trauer­gesprächen. Heute sind wir viele Ehrenamtliche, sowohl aus der Kolpingsfamilie Willich als auch von der Caritas, der kfd und der GdG (Gemeinschaft der Gemeinden Willich, Anrath, Neersen), die hier regelmäßig zu Gesprächen einladen.

Zusätzlich verteilen wir unser gerade neu gestaltetes Flugblatt an die Willicher, Anrather, Schiefbahner und Neersener Bestattungsunternehmen, um neue Besuchergruppen zu ermutigen vorbeizukommen. Heute kommen regelmäßig Hinterbliebene, die zu Stammgästen wurden. Über das Jahr kommen gut 1.000 Besucher. Das Angebot umfasst offene Gespräche, Trauerbegleitung und viel, viel Empathie.

Aber auch unsere Ehrenamtlichen sind uns wichtig. So machen wir neben Schulungsangeboten in Trauerbegleitung gemeinsame Feste und Ausflüge, einst auch nach Köln auf den Melatenfriedhof. Ein wunderbarer Tag

2. Was hat Corona mit Dir, mit Euch, mit den Trauernden und Hinterbliebenen gemacht?

Erschütterndes. Zwar sind es Einzelfälle, aber es gab eine Stammkundin im Café, die hat vereinsamt zu Hause gesessen, hat sich den Corona-Lockdown so zu Herzen genommen, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert wurde, heute noch Angstattacken hat.

Hier im Café mussten wir zwischen März und Mai des Jahres komplett schließen, wurden im Ort oft angesprochen, weil der Anlaufpunkt fehlte. Nachdem die örtlichen Restaurants und Gaststätten wieder öffnen durften, haben auch wir uns getraut. Nach einigem Hin-und-Her mit den Behörden und einem ausgefeilten Hygienekonzept hat es nun geklappt. Seit Ende Mai sind wir wieder da, werden mehr als vorher nachgefragt. Trauer ist zeitlos.

3.Was wünscht ihr Euch für eure Zukunft?

Viel Kontakt und viele Gäste, die einen guten Gedanken mitnehmen, die in ihrer Trauer nicht allein gelassen werden. Trauerbewältigung und Hilfe anbieten können, kann eine wunderbare Erfahrung sein. Wenn Menschen, ob Frau oder Mann,  eigene Kräfte neu finden und lebensbejahend gehen, das ist einfach perfekt für uns.

Und wir freuen uns über Gäste, aber auch für neue Kolleginnen und Kollegen, über Hilfe bei der unserer wirklich tollen Arbeit am Menschen.

+++++++++++++++++++++++++

Zur Person:

Maria Wefers, 67 Jahre; Kolpingsfamilie Willich, Geistliche Leiterin, Hobbies: Seelsorgerin, Wortgottesdienstleiterin, Bürgerbusfahrerin, Friedhofscaféleiterin, kirchlich-soziale Dienste.

Anne Lichtenberg, 72 Jahre; Kolpingsfamilie Willich, Hobbies: Ehrenamtliche Beerdigungsdienstleitung mit Trauergespräch und Zeremonie-Absprache, Lektorin, Wortgottesdienstleiterin.

Helga Schoulen, 75 Jahre; Caritasmitglied, Hobbies: Haus der Begegnung – Friedhofscafé, Begleitungsdienst für ältere Mitbürger.

+++++++++++++++++++++++++

Tag des Friedhofs

Am Tag des Friedhofs gibt es auf zahlreichen Friedhöfen unterschiedlichste Angebote an alle Interessierte. Ziel ist es, den Besucherinnen und Besuchern die Bedeutung des jeweiligen Friedhofes sowohl als Ruhestätte als auch als Ort der Trauerbewältigung näher zu bringen. Außerdem soll der Umgang mit Tod und Trauer enttabuisiert werden. Friedhöfe als Kulturgüter und grüne Oasen in den Städten und Gemeinden zu verstehen, ist dabei ein Anliegen.