So begrüßen sich die Na’vi, ein fiktives Volk aus dem Film „Avatar“. Doch drückt „Oel ngati kameie“ weit mehr aus als ein simples „Hallo“. Übersetzt bedeutet es „Ich sehe dich“.
In den letzten Jahren musste ich häufiger an diesen Satz denken, denn ich wurde im Rahmen meines Medizinstudiums schon früh mit der frustrierenden Realität unseres Gesundheitssystems konfrontiert: Ich habe miterlebt, wie sich Menschen teilweise monatelang auf ihren Arzttermin vorbereiten und bereit sind, all ihre Hoffnung auf Genesung in die Hände des Arztes zu legen. Für den Arzt hingegen ist der Patient einer von vielen an einem gewöhnlichen Arbeitstag. Innerhalb von sieben Minuten dirigiert er den Patienten durch ein Gespräch, in dem er dir mit etwas Glück auch mal in die Augen schaut und nicht nur auf seinen Computer. Auch im Krankenhaus wird während der Visite häufiger über den Patienten als mit dem Menschen gesprochen. Die Grundstimmung ist danach meist dieselbe: Der Patient fühlt sich unverstanden und unsichtbar. „Ich sehe dich“ bedeutet für mich nicht, mein Gegenüber visuell, sondern in seiner Menschlichkeit wahrzunehmen – seine Gefühle, seine Gedanken und sein Wesen.
Und wenn fiktive Außerirdische das können, dann können Du und ich das auch!

Johanna Marx
KF Mönchengladbach
