Impuls zur Woche

Füreinander einstehen heißt u.a., sich für jemand anderen „zum Clown zu machen“.

Der Zirkusclown spielt mit seiner Tollpatschigkeit, Verkleidung, Mimik und Gestik. Er bringt Menschen zum Lachen, heitert auf, lenkt ab. Neben ihm fühle ich mich in mir selbst bestärkt, vielleicht auch herausgefordert.
Sich für jemand anderen „zum Clown zu machen“, heißt, da zu sein, wenn eine Welt in Scherben liegt.
Sich für jemand anderen „zum Clown zu machen“, heißt, über meinen Schatten zu springen und nicht zu überlegen, was die anderen von mir halten.
Sich für jemand anderen „zum Clown zu machen“, heißt, mich selbst nicht so ernst zu nehmen.

Ein Clown steht im Rampenlicht: Er lenkt dabei den Fokus auf sich und von denen ab, die im Schatten bleiben wollen. Und hinter dem Clown steckt noch mehr: Im
Mittelalter wurden Spaßmacher als Narren bezeichnet, weil sie töricht handelten und für Belustigung sorgten. Der Narr selbst tut noch viel mehr: Er hält der Welt den Spiegel vor.

In diesem Spiegel sehe ich mich selbst, meine Stärken und das, worauf ich stolz sein kann, meine Schwächen, meine Fehler. Er zeigt sie mir auf, damit ich an ihnen arbeiten kann. Der Narr hält mir den Spiegel vor – und steht doch für mich ein. Seine Kritik ist humorvoll wie eine gute Parodie. Ich erkenne mich selbst und muss mich nicht angegriffen fühlen.

Füreinander einstehen heißt auch, dass ich für andere den Clown mache, dass ich wie ein Narr den Spiegel vorhalte.

Julia Klütsch

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Dieser Text erschien erstmals im Impulsheft zur Fastenzeit 2016. Es kann unter Service/Publikationen heruntergeladen werden.