Impuls zur Woche

Ist Lebensmittelverschwendung ein Sünde?

Diese Frage wurde letztens in meinem Freundeskreis diskutiert. Ein Freund von mir kann sich selbst und seine fünfköpfige WG nämlich (fast) komplett über Foodsharing und Containern versorgen – selbst in Zeiten von Corona.

Foodsharing ist eine Initiative, die sich gegen Lebensmittelverschwendung engagiert. „Foodsaver“ retten ungewollte und überproduzierte Lebensmittel in privaten Haushalten sowie von kleinen und großen Betrieben. Mein Bekannter und seine WG sind diese „Foodsaver“ – sie gehen regelmäßig Essen, das sonst im Müll gelandet wäre, legal auf Märkten und bei Bäckereien abholen.

Sie essen aber auch Lebensmittel, die bereits weggeworfen wurden, sie gehen „containern“ (1). Dabei gehen sie nachts zu Supermärkten und bedienen sich an den Mülltonnen – das ist allerdings nicht legal. Es ist Diebstahl, denn der Müll gehört dem Supermarkt. Einige Menschen wurden dafür in Deutschland schon angezeigt und auch verurteilt.

Mein Bekannter geht dieses Risiko ein, um etwas gegen die Lebensmittelverschwendung zu unternehmen. Laut dem WWF landen in Deutschland jährlich mehr als 18 Millionen Tonnen Nahrung im Abfall (2), sei es bei der Ernte, der Verarbeitung, im Handel oder bei uns zu Hause. Viele Tonnen wären davon vermeidbar, wenn wir nicht mehr so hohe Ansprüche an Produkte im Supermarkt hätten. Gut geplante kleinere Einkäufe und eine bessere Lagerung zu Hause könnten die Verschwendung reduzieren.

Wenn ich die Mengen an geretteten Lebensmittel bei meinem Bekannten sehe, bin ich fassungslos und denke: Ja! Lebensmittelverschwendung ist eine Sünde.

Annkatrin Gentges

(1) https://utopia.de/containern-lebensmittel-retten-25361/
(2) https://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/ernaehrung-konsum/das-grosse-wegschmeissen/