Den rheinischen Karneval musste ich erst (kennen-) lernen, da ich zwar nicht ohne Karneval im Münsterland aufgewachsen bin, aber doch recht anders. Feiern und ausgelassen sein, können natürlich auch NICHT-Rheinländer*innen. Den Karneval „von außen“ zu deuten, ist eher unüblich. Er soll eben auch nicht zerquatscht oder gar instrumentalisiert werden. Das wird oft gefordert.
Wenn aus Spaß an der Freud die Welt für ein paar Tage auf den Kopf gestellt wird, die Mächtigen (in den Rathäusern) entmachtet werden und die Machtlosen (die Frauen?) zu sagen haben, wenn z.B. der Düsseldorfer Künstler Tilly politische Missstände scharf und mit Witz zur Schau stellt, dann hat das doch Folgen. Hoffentlich über Karneval hinaus! Karneval als Spiegel.
Feiern macht nicht allein Spaß im Moment, sondern hat auch bestenfalls Spätfolgen, wenn Grenzen, die uns sonst eher trennen, als überwindbar erlebt werden. Es entstehen neue Formen von Solidarität. Was will eine Gesellschaft mehr?! Unser „Wir“ wandelt sich und wird dadurch gestärkt und stärker.
Mit den letzten Sätzen will ich damit Karneval nicht verzweckt haben, aber wenn Karneval den Frohsinn und die Freude derart intensiv erlebbar macht und neue Perspektiven auftut, kann das nicht ohne Folgen bleiben. Das geht nicht. Karneval könnte also z.B. zutiefst integrativ sein!! Das müsste er sogar, oder?!
Ich habe den rheinischen Straßenkarneval in den Dörfern, in denen ich gelebt und gearbeitet habe durchaus so kennengelernt. Und es war wirklich „cool“.
„Wenn man Freud und Leid miteinander teilt, wächst man zusammen.“ (A. Kolping)
Dieser Ausspruch gilt gewiss besonders in den Karnevalstagen, aber auch außerhalb der Karnevalshochburgen und zu anderen Jahreszeiten.
Ich grüße also die Karnevalist*innen -besonders in unseren Kolpingsfamilien- und alle, die diesen „rheinischen Vorteil“ gerne auch nachhaltig verstehen.
Treu Kolping!

[Geistl. Leiter der Kolpingjugend und des Kolpingwerkes im Diözesanverband Aachen]
