Manchmal hat man den Eindruck: Die Kirche diskutiert ununterbrochen über ihre Strukturen. Aber es existiert dieses Zitat, in dem die sogenannten „Heiden“ um ca. 200 n.Chr. über die Christen sprechen: „Seht, wie sie einander lieben.“ (überliefert von Tertullian)
Natürlich braucht eine Kirche Strukturen. Formen von Gemeinschaft, Gremien, Funktionen und Regeln sind notwendig. Aber sie sind nicht der Kern. Der Kern ist der Mensch. Der Mensch, der das Leben mit dem Evangelium „übereinander“ bekommen will. So sagt es die Pastoralstrategie im Bistum Aachen -auch. Das Evangelium erzählt immer wieder, wie Jesus Menschen in die Mitte stellt. Die Kinder. Die Kranken. Die Sünder. Die Suchenden. Oft waren sie wichtiger als religiöse Gewohnheiten oder festgefahrene Systeme.
Auch die katholische Soziallehre beginnt nicht bei Institutionen, sondern bei der Person. Die Würde des Menschen ist Ausgangspunkt allen Handelns. Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen die Kirche als schwerfällig erleben und in zahlreichen Diskussionen um Reformen, Machtfragen und Strukturprozesse kreisen, lohnt sich eine einfache Frage: Dienen unsere Strukturen den Menschen? Hier ist sie wieder, die Frage: Was braucht der Mensch!
Diese Frage ist unbequem. Aber sie orientiert sich sehr am Evangelium.
Menschlicher glauben bedeutet daher, nicht zuerst die Organisation Kirche zu verteidigen, sondern das Evangelium sichtbar werden zu lassen. Dort, wo Menschen begleitet werden. Wo jemand Trost findet. Wo Gemeinschaft entsteht. Wo Hoffnung wächst. Das gilt für unsere verbandliche Struktur nicht weniger. Vielleicht wird die Zukunft der Kirche nicht zuerst an ihren Gebäuden entschieden. Sondern daran, ob Menschen durch sie erfahren: Hier werde ich gesehen. Hier bin ich gemeint. Hier ist Platz für mich.
Treu Kolping.

(Geistl. Leiter der Kolpingjugend und des Kolpingwerkes im Diözesanverband Aachen)
