Viele von uns neigen dazu, die Menschen in der Gruppe zu sehen: die Türken, die Afrikaner, die Syrer, die Sportler, die Kolpingsfamilien usw. Dabei ist jeder Mensch anders.
Vor vielen Jahren waren wir Gastfamilie für ein 16-jähriges Mädchen aus Arizona. Sie ging mit unserer ältesten Tochter zusammen zur Schule. Eines Tages erzählte sie mir, dass sie Schwierigkeiten hätte, die Mitschüler/innen zu unterscheiden: „Die sehen doch alle gleich aus.“ Das konnte ich nicht nachvollziehen. Erst als ich viele Jahre später eine dunkelhäutige Asylbewerberin mit ihrem kleinen Sohn kennenlernte, machte ich eine ähnliche Erfahrung. In allen dunkelhäutigen Frauen sah ich Stella und in afrikanischen Jungen mein Patenkind Fritz. Ich brauchte lange Zeit, um durch genaueres Hinsehen die Unterschiede in den Gesichtszügen zu erkennen.
Jesus nahm direkt den einzelnen Menschen wahr. Er berief seine Jünger einzeln, wandte sich der Frau am Brunnen zu und spürte bei Judas und Petrus im Vorhinein die Verleumdung.
Adolph Kolping ging auf die Straße, um die Probleme der einzelnen Handwerksgesellen kennenzulernen.
Und was machen wir in dieser Fastenzeit?

Waltraud Hermkens
KF St. Tönis
