
„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ Dieses Zitat wird dem ehem. Bundeskanzler Helmut Schmidt zugeschrieben, es soll aber zuvor von einem österreichischen Kanzler stammen.
Visionen sollten ermutigend und aktivierend formuliert werden.
Als Kolpingwerk sind wir ein Teil der Kirche im Bistum Aachen, die ganz aktuell mit ihrer neuen Pastoralstrategie die folgende Vision formuliert: „Mit der Botschaft Jesu nah bei den Menschen sein und eine Kirche der Freiheit, der Begegnung und der Ermöglichung sein.“ Zu finden natürlich auch im Internet: https://www.bistum-aachen.de/wir-veraendern-uns/pastoralstrategie/index.html
Diese Vision passt nicht nur zufällig sehr gut zu uns als Kolpingwerk. Besonders in der Gründungsphase vor über 175 Jahren haben „wir“ konsequent die prekäre Lebenswelt der Wandergesellen wahrgenommen haben. Das christliche Menschenbild und zugleich der tiefe Glaube an Gott waren dabei ganz zentrale Motive. Beides ist „in Beziehung getreten“ und daraus ist etwas Großartiges entstanden. Das Kolpingwerk als Verband mit vielfältigen Einrichtungen, ja wir im kleinen Aachener Diözesanverband haben sogar ein eigenes, eigenständiges Bildungswerk und mit der Prodia eine Werkstatt für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung. Zurück zur Vision.
Warum sprach Helmut Schmidt offenbar so kritisch über die Visionen? Hat er so ernst gemeint?
Meine Fantasie: Wenn Visionen nur Visionen bleiben! Dann wird´s kritisch.
Über Visionen braucht man selten in Streit zugeraten, wenn „sich doch alle im Grunde einig sind“. Jede*r möchte eine lebendige Kirche, eine Kirche, in der „das Evangelium und der Mensch“ eindeutig im Mittelpunkt stehen. Alles sind sich einig. Wo ist das Problem?
Die Vision will aber umgesetzt werden in strategische Ziele und sogar noch konkreter: in konkrete Maßnahmen. Für die dann auch noch wer verantwortlich ist.
Wenn das Geld dann knapp wird, es nicht mehr für alle Gebäude und Kirchen reicht und auch nicht mehr fürs Personal, dann müssen strategische Ziele gefunden werden. Es wird nicht mehr alles gehen wie sonst. Aber was genau wird fortgeführt, verändert entwickelt,…? Darüber muss man -in der Kirche und in unserem Verband genauso- gemeinschaftlich beraten. In unserem Verband werden wir auch gemeinschaftlich entscheiden. Wird nicht unbedingt leicht, ist aber -wenn es gelingt- einfach gut. Dann klappt´s auch mit der Vison.
Wir sind ja nicht für uns selbst da, wenn es im Kolpingwerk heißt. „Zusammen sind wir Kolping“ – also zusammen setzen wir unsere Vision um.
Treu Kolping.

Michael Kock, Geistlicher Leiter im Kolpingwerk Aachen.
(für die Erwachsenen im Gesamtverband und genauso für die Kolpingjugend.)
