3 Fragen an:

1. Wie war es als Zwillingspaar mit gegenseitiger Händigkeit?

Neben dem Zwillingsein, bietet meine eigene Linkshändigkeit und die Rechtshändigkeit meiner Zwillingsschwester eine weitere „Attraktion“ und für einige Menschen eine ausreichende Gesprächsgrundlage. Zwillinge und dann noch eine unterschiedliche Händigkeit?

Im Vorschulalter wurde bei uns beiden schnell klar, dass es diesen Unterschied gibt und so mussten logischerweise eine neue Bastelschere, Füller, Lineal und Schreibblöcke her, mit denen ich mich zurechtfinden konnte. In meiner Schulzeit merkte ich regelmäßig, dass es mit den Linkshänder-Materialien nicht getan war und mir meine Händigkeit immer wieder Hindernisse bereitete. Täglich verschmierte Blätter und Hände waren genauso ein Problem, wie die Sitzordnung. Ich konnte nie rechts neben meinen Mitschüler*innen oder meiner Schwester sitzen, weil sich sonst die Ellenbogen gestoßen hätte oder man sich anders in die Quere gekommen wäre. In einer langen Tischreihe saß ich meistens links außen. Unterbewusst prägt mich diese Erfahrung prägt bis heute. Bei meiner Schwester und mir zeigt sie sich darin, dass ich möglichst immer links von ihr stehe oder sitze. Sei es bei der Fahrt mit dem Bus, beim Training im Tanzstudio oder an der Kaffeetafel bei der Familienfeier.

2. Wie ist es im Alltag als Linkshänder*in?

Zum Glück sind die Zeiten vorbei, in denen Kinder zur Rechtshändigkeit umerzogen wurden. Diese Praxis führte häufig zu Entwicklungsdefiziten bei umgeschulten Linkshänder*innen. In meiner Generation ist das gar kein Thema mehr. Einige Menschen reagieren verwundert, neugierig oder ungläubig, wenn ich mich als Linkshänder*in offenbare. Tatsächlich liegt die Linkshändigkeit nur bei ca. 10%, wobei der Anteil an Menschen, die eine Beidhändigkeit haben, genauso groß ist. Im Alltag liegt es also nahe, dass vieles auf Rechtshänder*innen ausgelegt ist. Scheren, Kuchengabel, Soßenkelle, der Nummernblock auf der PC-Tastatur, Dosenöffner, das Münzfach im Portemonnaie, die Aufhängung für das Toilettenpapier, der Auslöser einer Kamera… unscheinbare Alltagssituationen, die Rechtshänder*innen nicht auffallen. Für Linkshänder*innen sind diese kleinen Dinge jeden Tag schlichtweg nervig und erfordern ein ständiges Umdenken. Als Linkshänder*in arrangiert man sich irgendwann in einer Welt, die vornehmlich zum Vorteil der Rechtshänder*innen gemacht ist. Viele Umstände fallen nicht mehr auf oder man wird erfinderisch im Umgang mit Linkshänder-unfreundlichen Utensilien. Vielleicht wird aus diesem Grund auch Linkshänder*innen (fälschlicherweise) nachgesagt, sie seien kreativer? Gelegentlich verschmiere ich auch nochmal ein Blatt Papier, am Tisch muss ich nach wie vor auf meine Ellenbogen aufpassen und die PC-Maus bediene ich lieber mit der rechten Hand.

3. Was wünschst Du dir für die Zukunft?

Ich glaube vor allem für Schulkinder, die gerade das Schreiben und Lesen lernen, ist es wichtig, dass mit ihrer Händigkeit natürlich umgegangen wird und sie unterstützt werden. Mittlerweile gibt es viele tolle Schreibwaren und -utensilien, sodass Kinder die Schulzeit gut meistern können. Ich wünsche mir, dass die vielen speziellen Produkte für den täglichen Gebrauch mehr genutzt werden. In der Gesellschaft und bei mir persönlich ist die Händigkeit kein großes Thema. Dennoch gibt es abwertende Redewendungen von der „unreinen“ linken Hand oder jemanden „links liegen lassen“, die die linke Seite in keinem guten Licht stehen lassen. Auch das ein oder andere überholte Vorurteil, z.B. von Ungeschicktheit („zwei linke Hände/ Füße“) oder der Leserlichkeit („Dafür, dass Sie mit links schreiben, sieht das aber ganz gut aus“), gilt es noch auszuräumen.

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Zur Person

Jasmin und Selina Könes sind Schwestern, beide 24 Jahre; Jasmin Könes, Kolpingfamilie Mönchengladbach, Projektleitung für Nachhaltige Entwicklung in der Kolpingjugend des Diözesanverbandes Aachen.

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Internationaler Linkshändertag

Der Internationale Linkshändertag wurde am 13. August 1976 erstmals gefeiert. Damit sollte auf die verfehlte Umerziehungspolitik aufmerksam gemacht werden. Heute wird zugunsten der freien Entwicklung auf eine solche Umerziehung verzichtet.