Svenja und Meike Witte sind neue Rekordhalter: Zum 12. Mal waren die 14-jährigen Zwillinge beim Familien-Zelt-Wochenende mit dabei – häufiger als alle anderen Kinder, von denen die jüngsten – Jakob und Sophia – aber auch erst vier Jahre alt sind. Für viele Familien gehört das jährliche Zelt-Wochenende zu den Highlights des Jahres, denn man ist drei Tage lang fast durchgängig an der frischen Luft, wenn man die Nächte im Zelt mitzählt. Doch auch ein paar „neue“ Familien waren mit dabei, hatten sich von den Berichten der letztjährigen Teilnehmer begeistern lassen und wurden nicht enttäuscht.
Denn auch in diesem Jahr hat der Arbeitskreis Familie wieder ein ausgeklügeltes Programm auf die Beine gestellt, mit Spiel und Spaß, mit Basteln und Singen – und natürlich reichlich Lagerfeuer. Aber der Reihe nach: Während des Freitagnachmittags trudelten die Familien nach und nach ein, bauten ihr Zelt auf und richteten sich häuslich ein, während die Kleinen den großen Platz erkundeten mit Wald, Klettergerüsten, Sandkästen, Rutschen und Fußballfeld. Wir waren nicht alleine auf dem Zeltplatz, aber jeder bekam ein Namensschild, so dass das Kennenlernen fast von selbst funktionierte. Das Team war derweil damit beschäftigt, die Küche einzurichten, Material in die Blockhütte zu schaffen und Tische und Bänke für die Mahlzeiten und Aktionen aufzustellen. Gegen 18 Uhr – der Grill war bereits angefeuert – gabs das offizielle Hallo in kurzen Worten, bevor es zum Abendessen ging. Und während die Erwachsenen noch den Moment der Ruhe nach ihrer anstrengenden Arbeitswoche genossen, brannten die Kinder schon darauf, nun endlich das ersehnte Lagerfeuer zu entzünden, um darüber zur Stillung ihres Bärenhungers Marshmallows am Stiel zu rösten. Oh wie schön ist Lagerfeuer!
Der Abend klang leise aus – zu sehr steckte allen die Woche noch in den Knochen – und noch bevor die letzten Strahlen der Sonne zur Erde niederkamen, betteten sich Kinder wie Eltern zur Ruhe und schon wenig später hörte man die vertrauten Geräusche, die an ein Sägewerk erinnerten. Gute Nacht.
Der Morgen kam und mit ihm lieblicher Kaffeeduft aus Richtung Küche, so dass die von zerknirschter Müdigkeit gezeichneten und doch innerlich zufrieden lächelnden Menschen fast wie von selbst den Weg zu diesem Anreiz fanden. Guten Morgen! Und danke an die Morgenmenschen, die schon so früh – sagen wir 8 Uhr – so fit waren, um allen zu einem guten Start in den Tag zu verhelfen, indem sie das Frühstück mit frischen Brötchen, bunten Eiern und diversen Müslis bereiteten. Weiter gings um 10 Uhr: Basteln. Aber was sich nach Origami anhört, hatte es bereits in sich: Das Thema war „Forschen“, und so erstellte sich jeder junge Forscher zunächst ein selbst gebundenes Forschungsheft. Hernach ging es daran, aus Kleister, Natron und Glitzer einen Knet-Schleim zu fusionieren, sowie ein eigenes kleines Elektro-Experiment namens „Heißer Draht“ zusammenzubiegen, zu schrauben und zu verkabeln. Auch eine Sonnenuhr und eine Wanderdose galt es noch zu konstruieren – mächtig viel Input für die jungen Gehirne. (Der eine oder die andere soll diese Dinge sogar nach dem Wochenende stolz in der Schule präsentiert haben!)
Natürlich hatten die Kinder eine gute Unterstützung durch ihre eigenen oder auch andere Eltern erhalten, denn auch die Erwachsenen hatten ihren Spaß.
Das Experimentieren ging mittags weiter: Wie viele Zutaten passen auf einen Wrap und wie muss ich diesen falten, um ihn unfallfrei in meinen Mund zu bekommen… Nun, es gelang, und die Mittagspause war der Lohn.
Am Nachmittag schließlich stand die große Forschungsreise auf dem Programm: An insgesamt 10 Stationen – wiederum betreut von den Eltern und einigen Jugendlichen – galt es, Dinge auszuprobieren, Neues zu entdecken und Vermutungen einfach mal zu überprüfen. Einige Beispiele gefällig?
- Jedes Kind konnte sein Lungenvolumen testen, indem es kräftig in einen Schlauch pustet und so das Wasser aus einem Kanister verdrängt. (Aus Hygienegründen bekam jedes Kind ein eigenes „Shisha-Mundstück“).
- Mit Eisenpulver kann man Magnetfelder sichtbar machen. Erstaunlich, wie sich das Pulver auf einem Blatt Papier ausrichtet, unter dem ein Magnet liegt.
- Mit Wasser vollgesogene Aqua-Beads brechen das Licht so, dass man kaum mehr hindurchsehen kann. Aber wenn man eine mit Aqua-Beads gefüllte Vase mit Wasser auffüllt, wird alles durchsichtig.
- Mit roter, blauer und gelber Tinte konnten die Kinder Farben mischen und zudem lustige Farbkleckse gestalten.
- Mit der Becherlupe haben die Kinder kleine Tiere beobachtet, die sich in der Natur befinden.
- Ein Tropfen Spülmittel kann ein kleines Boot fahren lassen, indem es die Oberflächenspannung des Wassers zerstört.
- Schwerkraft kann mitunter auch dazu führen, dass Dinge nicht auf den Boden fallen…
- Die Kraft der Sonne erfuhren die Kinder mit dem Sonnendruckpapier. Darauf legten sie einige Gegenstände und ließen die Sonne für einige Minuten das Papier belichten. Anschließend wurde es unter Wasser „fixiert“, so dass herzliche Drucke entstanden.
- Und natürlich durfte Feuer machen mit Feuerstahl und Lupe auch nicht fehlen!
Eine kleine Quizshow „1, 2 oder 3“ bildete den Abschluss dieser tollen Forschungsreise, die Kinder und Eltern erschöpft, aber glücklich in den Feierabend entließ.
Zum Abendessen gab es Nudeln mit Tomatensoße und im Anschluss daran den gemütlichen Ausklang am Lagerfeuer – und zwar heute sogar mit Gitarrenbegleitung.
Tag drei brach an und man hatte den Eindruck, dass alle ein bisschen später und ein wenig träger aus ihren Zelten kamen als tags zuvor, um sich dann doch beim Frühstück unterm freien Himmelszelt für den Tag zu stärken. Und während die Eltern sich anschließend schon um den Rückbau der Zelte kümmerten, freuten sich die Kinder schon auf das Geländespiel „Stratego“, das auch in diesem Jahr wieder passend zum Forscherthema gestaltet wurde. So mussten Minister und Brandinspektoren, Chemiker und Wirtschaftsspione, Laboranten und auch Hausmeister in einem wilden Durcheinander die Fahne der Konkurrenz ergattern. Was soll man sagen – das Spiel endete 2 zu 2, so dass letztlich alle zufrieden sein und sich auf den Wortgottesdienst konzentrieren konnten, zu dem wie immer der Geistliche Leiter Michael Kock extra angereist war. Zum Abschluss erhielten die jungen Forscherinnen und Forscher ihr „Diplom“ als Anerkennung für ihre Neugier, ihre Ausdauer und ihren Forschungsdrang. Stolz präsentierte der akademische Nachwuchs die erworbenen Urkunden beim Gruppenfoto. Was folgt, ist schnell erzählt: Mittagessen, aufräumen, nach Hause fahren, Badewanne… Und das wohlige Gefühl, ein ganz tolles Wochenende mit lieben Menschen verbracht zu haben.
Peter Witte





