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Ein Abbild Christi

Eines Tages wurde auf die Station des Krankenhauses, in dem ich damals als Zivi arbeitete, ein alter Mann gebracht, äußerlich verwahrlost und eistig verwirrt. Er wirkte in seinem Verhalten wie „blöde“, und einige sagten „du“ zu ihm und „Opa“. Auch ich nahm ihn nicht für „voll“, jedenfalls nicht für einen Herrn in seiner Würde. – Bis ich erlebte, wie er langsam unter der medizinischen und pflegerischen Behandlung genas. Da bemerkte ich zu meiner Schande, dass ich in ihm einen sehr kultivierten Mann verkannt hatte. Nimm nächstens, sagte ich mir, den ganzen Menschen in seiner Würde wahr!

Und dann kommt noch dies hinzu: 1854 erzählt Adolph Kolping von einem frommen Bauern, der bei jeder Mahlzeit „unseren Herrn und Heiland täglich bei sich zu Gaste lud“. Er stellte ein lebensgroßes Bild von Christus auf einen Stuhl an den Tisch und ließ ihn an jeder Mahlzeit teilnehmen. So hatte auch Christus „Teller, Löffel, Gabel, Messer, Gewürz usw. vor sich, just wie die anderen“.

Die Pointe nun war: „Was nun der liebe Heiland während der Essenszeit an Speis und Trank erhielt, das teilte man nach der Mahlzeit alles den Armen aus.“ Jener Bauer muss sich, wenn er zu den Armen kam, ihre Würde als Abbilder Christi realisiert haben.
Vielfalt findet.

Christoph Zettner
KF Krefeld-Zentral