Aus dem Leben im Homeoffice

Heute berichtet unsere stv. Diözesanvorsitzende Stefanie Laskowski als Lehrerin an einer Gesamtschule über die Herausforderung „Homeschooling“

Als Lehrerin bin ich es gewohnt, dass ich zu Hause viel Zeit am Schreibtisch verbringe, denn der Unterricht bereitet sich leider nicht von selbst vor. Trotzdem ist diese Zeit auch für mich sehr besonders. In der Regel habe ich täglich Kontakt zu bis zu 100 verschiedenen Kindern und Jugendlichen. Der Unterricht lebt von der Interaktion mit den Schüler*innen. Man merkt relativ schnell, ob die Stunden „ankommen“ und kann direkt auf Rückfragen und Verständnisprobleme eingehen.

Nach der Schulschließung am 13. März stand ich vor der unmittelbaren Herausforderung, naturwissenschaftliche Aufgaben und Projekte für meine Klassen zu entwickeln, die für alle zu bewältigen sind, ohne jemanden abzuhängen. Ich arbeite an einer Gesamtschule. Meine Schüler*innen kommen aus den unterschiedlichsten Bildungsschichten. Auch die technische Ausstattung und die finanziellen Mittel sind sehr verschieden. Und nicht alle verfügen über eine E-Mailadresse oder stabiles Internet. Naturwissenschaftlicher Unterricht lebt meiner Meinung nach von Experimenten und davon, Dinge selbst auszuprobieren. Jetzt war Kreativität gefragt: Experimente für zu Hause – ohne große Kosten, ungefährlich und natürlich, ohne die Eltern in die Verzweiflung zu treiben. Jetzt führen meine Schüler*innen Keimungsexperimente mit Kresse durch, erstellen Stoffsteckbriefe mit Hilfe von Schokolade oder züchten z.B. Salzkristalle.

Was mir schon in der zweiten Woche besonders fehlte, war das Feedback meiner Schüler*innen. Die Aufgaben habe ich zwar auf unterschiedlichsten Wegen übermittelt (eigene Materialhomepage der Schule, E-Mail, ausgedruckt mit der Post), aber die Rückmeldungen blieben aus. Die nächste Herausforderung bestand daher darin, die Kontakte zu Schüler*innen und Eltern aufrechtzuerhalten. Ich habe mir daher ein Diensthandy angeschafft und die Eltern einfach mal angerufen. Die Rückmeldungen waren durchgehend positiv und das Angebot zur Kontaktaufnahme via Anruf, WhatsApp oder E-Mail wird von Einigen genutzt. Auch mit meinen Kolleg*innen herrscht ein guter Austausch via WhatsApp, Telefonaten oder Skype-Konferenzen.

Trotzdem vermisse ich nach über 5 Wochen den direkten Kontakt mit meinen Schüler*innen. Selbst wenn die ersten Schüler*innen ab nächsten Donnerstag wieder in die Schule dürfen, wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis wir wieder geregelten Unterricht durchführen können. Jetzt heißt es abwarten, wie der Fahrplan für die nächsten Wochen aussieht. Vermutlich werde ich einige meiner Schüler*innen auch weiterhin nur via Homeschooling betreuen können.

Unabhängig von der Neugestaltung meines Berufs hat sich mein Leben in den letzten Wochen sehr verändert. Neben der Schule ist mein Terminkalender normalerweise mit den verschiedensten Kolpingterminen, Musikunterricht, Orchesterproben, Sportkursen oder Treffen mit Freunden ausgefüllt. Und von jetzt auf gleich ist das alles weggefallen. Trotzdem ist mir bisher zum Glück noch nicht die Decke auf den Kopf gefallen. Wir haben die Zeit genutzt und einige Dinge zu Hause erledigt, für die wir sonst eher weniger Zeit haben. Wir haben viele neue Rezepte ausprobiert und unseren kulinarischen Horizont erweitert. Unser Balkon ist inzwischen ein kleiner Kräuter-, Obst- und Gemüsegarten. Unser Wohnzimmer ist ein großartiges Fitnessstudio und beim Walken oder Spazierengehen haben wir unsere Umgebung nochmal neu entdeckt. Die Osternachtsfeier zu Hause werden wir wohl auch so schnell nicht vergessen. Wir versuchen so positiv wie möglich mit der Situation umzugehen und das gelingt uns die meiste Zeit auch recht gut. Ich telefoniere oder skype mit einigen meiner weiter entfernt lebenden Freunde und Familienangehörigen viel häufiger als sonst, da man trotz Homeoffice schon allein durch die eingesparten Fahrzeiten mehr Zeit hat. Und der Kolping-Online-Stammtisch gestern Abend hat gut funktioniert und großen Spaß gemacht. Darüber hinaus genieße ich es doch sehr, dass morgens der Wecker nicht mehr klingelt.

Jetzt werde ich mich wieder in die Arbeit stürzen und mich nebenbei mit der Frage auseinandersetzen, wie ich es je wieder schaffen soll, um fünf Uhr morgens aufzustehen…