Aus dem Leben im Homeoffice

Immer unterwegs – so kennen wir unsere Diözesanvorsitzende Maria Taube. Doch auch sie ist – seit nunmehr fünf Wochen – zuhause und berichtet aus ihrem Homeoffice:

Geplant war alles ganz anders – „Der Mensch denkt und Gott lenkt!“ – Diesen Spruch kenne ich seit Kindertagen. Damals haben die Menschen diesen Spruch immer parat gehabt, wenn Pläne nicht durchzuführen waren, wenn etwas dazwischengekommen ist.

Heute wagen nur wenige Menschen in den vielen Telefongesprächen, die ich seit Wochen führe, ihre Gedanken zu formulieren: „Kann die Coronakrise nicht doch ein Zeichen Gottes sein? Sind wir zu weit gegangen? Haben wir uns von Gott entfernt? Dachten wir, dass alles mit Geld machbar ist?“ Und dann fügen sie an: „Mit dir kann ich ja darüber sprechen, denn in meiner Familie versteht michkeiner, wenn ich meine Gedanken äußere!“
Meistens werden das lange Gespräche, in denen wir unser doch recht bescheidenes Wissen aus der Bibel austauschen und den „Gott des Alten Testamentes“ mit der Botschaft Jesu vergleichen. Das Jesu-Wort: „Ich bin bei Euch alle Tage, bis zum Ende der Zeit“ (Mt. 28,20) stärkt unser Vertrauen, dass wir auch heute in der Coronakrise nicht alleine sind, sondern von Jesus begleitet werden.

Ja, so ist das: Meine Tagesbeschäftigung besteht aus telefonieren, Briefe schreiben, Reisen umbuchen, Absagen entgegennehmen und wieder telefonieren. Meistens klingelt das Telefon schon morgens um kurz nach Acht.

Tatsächlich, ich bin jetzt eigentlich immer zuhause. Einkaufen übernimmt unsere Tochter: „Mama, ich muss sowieso einkaufen. Schreib mir einen Zettel, ich bringe das mit!“ Und es folgt der Hinweis: „Ihr gehört zur Risikogruppe, weil ihr über 60 seid.“

Und so sitze ich den ganzen Tag in meinem Büro. Langeweile kenne ich noch nicht. Zuerst habe ich in der gewonnenen Zeit (Ich fahre nicht mehr von einem Termin zum anderen. Mein armes Auto steht verwaist auf der Straße und versteht die Welt nicht mehr, habe seit 4 Wochen nicht mehr getankt.) ca. täglich 2 bis 3 Stunden, Reiseunterlagen ausgearbeitet, Mappen angelegt usw.

Dann wurden die Reisen abgesagt – bzw. sie wurden in den Herbst verschoben. Die Unterlagen sind also fertig, warten nur noch auf das „Reise-OK“. Dann nehme ich mir seit Tagen vor, Schubladen und Schränke aufzuräumen und mich von gesammelten Dingen zu trennen. Doch bisher habe ich noch nicht anfangen können.

In der ersten Woche des Kontaktverbots haben wir den Kolpingsfamilien Tipps gegeben, wie Kolpingarbeit in der Coronakrise möglich bleiben kann, u.a. machten wir den Vorschlag, telefonischen Kontakt zu den Mitgliedern aufzunehmen. In der Woche vor Ostern habe ich mir dann die Liste der Kolpingsfamilie Süchteln (ich bin zzt. die Vorsitzende) zur Hand genommen, und allen telefonisch ein gesegnetes Osterfest gewünscht. Das war eine gute Sache. Die Gespräche sind besonders bei den alleinlebenden Mitgliedern gut angekommen.

Eine neue Sache für mich waren „Telkos“ und Videokonferenzen. Zuerst einmal musste ich die Technik kennenlernen. Da bin ich froh, dass Peter Witte mit mir so viel Geduld hatte. Jetzt kann ich es!!!Aber… ich finde diese Konferenzschaltungen sehr anstrengend, man muss sich außerordentlich konzentrieren um jeden Beitrag der Teilnehmer zu verstehen. Mancher spricht schnell oder ist zu weit vom Mikrofon entfernt. Eine Videokonferenz von einer Stunde kostet mich mehr Kraft als eine abendfüllende Sitzung. Ich hoffe, dass der „Spuk“ bald vorbei ist und wir uns wieder persönlich begegnen können.

Vielleicht hilft beten ja doch – heraus aus dieser Krise! Seid umsichtig und bleibt bitte gesund!

Maria Taube