Impuls zum 1. Mai

Was bedeutet euch / Ihnen der 1. Mai?

  • Ist es ein Tag wie jeder andere und glücklicherweise ein arbeitsfreier Tag?
  • Regt dieser Tag an, über die eigene Arbeit nachzudenken?
  • Stehen die ungerechten Strukturen in der globalen Wirtschaft im Fokus?
  • Oder wird der Tag zur religiösen Erbauung genutzt?

Die Geschichte des 1. Mai als Feiertag ist bewegt und folgt sehr unterschiedlichen Traditionen in den verschiedenen Ländern. 1856 gab es erstmals eine Kundgebung in Australien, auf der der Acht-Stunden-Tag gefordert wurde. Die nordamerikanische Arbeiterbewegung rief 1886 zur Durchsetzung des Achtstundentags zum Generalstreik am 1. Mai auf. In den folgenden Tagen eskalierten die Proteste. Die Organisatoren des Generalstreikes wurden verhaftet und teilweise hingerichtet.

1854 beschäftigt sich Adolph Kolping mit Fragen der Handels- und Gewerbefreiheit und der sozialen Gerechtigkeit. Er schreibt u. a. dazu: „Was nutzt aber eine Freiheit, bei der nur ein ganz kleiner Teil der Bevölkerung gewinnt, bei der aber notwendig … das … Volk, zu kurz kommt?“ (1)

Papst Franziskus sagt im gleichnamigen Film von Wim Wenders:

„Wir brauchen und wir wollen einen Wandel … Sagen wir ‚Nein‘ zu einer Ökonomie, die ausschließt und ungleich macht, in der das Geld regiert anstatt uns zu dienen. Diese Ökonomie tötet. Diese Ökonomie schließt aus. Diese Ökonomie zerstört unsere Mutter Erde.“

Uns ist durch das Engagement vieler Menschen vor mehr als 150 Jahren ein staatlicher Feiertag und arbeitsfreier Tag geschenkt worden. Ich wünsche uns, dass wir die Bedeutung dieses Tages in Geschichte und Gegenwart im Blick behalten, um uns als Einzelne und als Kolpingwerk für soziale Gerechtigkeit heute und in Zukunft einzusetzen.

Dietmar Prielipp, Geistlicher Leiter

Hinweis

Wer etwas Zeit aufbringen kann, kann eine gute Zusammenfassung zum 1. Mai auf Wikipedia lesen.

Foto: Kolpingwerk Deutschland. Ausschnitt aus dem Musical „Adolph Kolping“, aufgeführt im Rahmen des Kolpingtages 2015 in der LanxessArena in Köln.

(1) Kolpingschriften Band 4 S. 148f