Impuls zur Woche

„Heutzutage leben wir wirklich von morgens bis abends mit dem Fuß auf dem Gaspedal. Das ruiniert die geistige Gesundheit, die spirituelle Gesundheit und die körperliche Gesundheit. Mehr noch, es ruiniert und zerstört die Familie und somit die Gesellschaft.“ (aus: Papst Franziskus – ein Mann seines Wortes)

Mit diesen Sätzen verdeutlicht der Papst das Lebensgefühl vieler Menschen und er macht das Leben auf der Überholspur auch für den zunehmenden Mangel an mitmenschlichem Verhalten und ebensolchen Gesten verantwortlich. Wer sich getrieben fühlt und kaum Raum für Ruhe und Muße hat, investiert oft auch nur wenig Zeit, sich mit den Herausforderungen unserer Gesellschaft auseinanderzusetzen. Urteile werden schnell gefällt und Andersdenkende in eine Ecke gestellt. Eigene Positionen werden formuliert ohne sie wirklich zu leben.

Zeiten der Ruhe und Muße kommen meist nicht von allein; sie müssen gewollt und realisiert werden (auch in der aktuellen Situation). Ich lade euch und Sie herzlich ein, die kommende Woche als Zeit verstärkter Ruhe und Muße zu nutzen.

„Wie es jetzt geht und steht in der Welt, so kann es nicht weiter gehen.“ (Adolph Kolping)

Können wir uns noch an die Wochen und Monate vor der „Coronazeit“ erinnern? Die täglichen Nachrichten waren voll mit Herausforderungen, die heute in den Hintergrund der Berichterstattung und vielleicht auch unseres Denkens geraten sind:

  • Flüchtlinge, die verzweifelt ihr Heimatland verlassen, um sich und ihren Familien ein (besseres) Leben zu ermöglichen; die zu Hunderten im Mittelmeer ertrinken;
  • Tausende von vor allem jungen Menschen, die vor dem Klimakollaps unserer Welt warnen; Greta und die Vielen, die es geschafft haben, die Klimapolitik sehr stark in unser Bewusstsein zu heben;
  • Sozialverbände und Initiativen, die immer wieder darauf hinweisen, dass viele Menschen finanziell und gesellschaftlich abgehängt werden; Menschen, die trotz einer vollen Stelle nicht mit ihrem Lohn auskommen und ergänzende Leistungen unseres Staates erhalten;
  • Forscher und Publizisten, die uns fast schon verzweifelt versucht haben davon zu überzeugen, dass wir uns auf den digitalen Wandel einstellen müssen;
  • Viele Christ*innen, die sich nicht mehr mit der hierarchischen Struktur der Katholischen Kirche abfinden wollen und zu wirklicher Gleichberechtigung, zu Machtverzicht und zur Hinwendung zu den Armen aufrufen;

Und dann kommt so etwas „Kleines“ wie Covid-19 und legt fast alles auf der Welt lahm. Alles, was vorher so enorm wichtig gewesen ist, wie die oben genannten Themen, aber auch Reichtum, Macht und Wirtschaftswachstum, verblasst.

Ich möchte darum für eine neue Orientierung werben: Was ist wirklich wichtig in unserem Leben und im Leben unserer Gesellschaft? Welche Werte vertrete ich als Einzelne*r und als Kolpingsfamilie. Denn Adolph Kolpings Satz hat nichts von seiner Aktualität verloren: „Wie es jetzt geht und steht in der Welt, so kann es nicht weiter gehen.“