Impuls zur Woche

Alles hat seine Zeit

Heute hätten wir Erstkommunion gefeiert. Meike und Svenja haben sich ein halbes Jahr lang intensiv darauf vorbereitet – genau wie Karin, die als Katechetin viel Herzblut in die wöchentlichen Gruppenstunden gesteckt hat. So mancher Abend am PC und ein knappes Dutzend Treffen im Pfarrheim gingen dafür drauf. Die Tage sagte sie beim Frühstück: „Heute hätten wir Singprobe gehabt.“ – Ja, diese Woche hatte Karin sich Urlaub genommen, Singprobe, Stellprobe, Leseprobe, Andacht, dazu der Hausputz und noch Kuchenbacken, all das wäre in dieser zweiten Ferienwoche dran gewesen.

Bestimmt sind wir traurig, wehmütig, enttäuscht, dass dieses schöne Fest, auf das sich jeder auf seine Weise gefreut hat, nun ausfällt… Tatsächlich aber sind wir es nicht.

Karin bedauert zwar, dass der Erstkommunion-Gottesdienst „Jesus – unser Leuchtturm“ nun nicht stattfindet, denn es hat wirklich viel Mühe gekostet, diesen „rund“ zu kriegen, aber es ist gerade einfach keine „Feier-Laune“. Wir hätten mit der Familie – Großeltern und Paten – im Café des Altenheims zu Mittag gegessen, jenes Hauses, in dem in den letzten Wochen 10 Bewohner*innen infolge einer Corona-Infizierung gestorben sind… Da mag man doch nicht nebenan feiern?!

„Seid ihr traurig, dass euer Fest ausfällt?“, frage ich Meike und Svenja. „Nö“, lautet die spontane Antwort und die beiden wollen schon wieder abzischen aufs Trampolin. „So gar nicht?“, setze ich etwas ungläubig nach. „Ach, ich denk da eigentlich gar nicht mehr dran.“ sagt Meike und ist nun wirklich weg.

Alles hat seine Zeit. Wir vermissen Oma und Opa, aber wir haben noch keinen gestreamten Gottesdienst geschaut. Stattdessen haben wir Palmsonntag, Karfreitag und in der Osternacht Hausgottesdienste gefeiert – die waren ebenso andächtig wie „schön“. Mir haben sie Mut gemacht! (Schönen Dank an Apropos Matthias Waldniel, St. Godehard Vorst und Misereor für gelungene Vorlagen!)

Alles hat seine Zeit. Die Erstkommunionfeier wird kommen. Mit weiterer Vorbereitung wird auch die Vorfreude für uns alle wiederkommen und Meike und Svenja werden „ihren großen Tag“ haben.

Bis dahin gilt:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit das eine vom anderen zu unterscheiden.

Peter Witte

(Bild mit freundlicher Genehmigung von Marion Coenen, Niederkrüchten)