Impuls zur Woche

„Wo kommst Du her?“
„Aus Mönchengladbach.“
„Nee, ich meine so richtig.“
„Na, aus Deutschland.“
„Nee, du weißt doch was ich meine.“
Klar weiß ich, was Du meinst, ich habe Deine Frage verstanden. Und habe ich Dir die Antwort doch gegeben? Warum ist es so wichtig für Dich zu erfahren, welchen Migrationshintergrund ich habe?

Vielleicht fragst Du aus Neugier, vielleicht aus Interesse. Vielleicht willst du das Eis brechen, ein Gespräch aufbauen.

Oder vielleicht passen meine schwarzen Haare und meine dunkelbraunen Augen nicht in dein vermeintliches Bild einer deutschen Gesellschaft. Vielleicht fragst Du, damit Du mich einer Kategorie zuordnen kannst, die mich mit all den dazugehörigen Klischees & Vorurteilen für Dich begreifbar macht.

Gebe Ich Dir nicht die gewünschte Antwort, in der ich über meine Herkunft aufkläre, soll ich mich nicht so anstellen: „Sei nicht beleidigt, war doch nur eine einfache Frage.“

Gebe ich Dir die Antwort, die Dich zufrieden stellt, ist das Thema meistens für Dich erledigt. Du hast mich erfolgreich einer Deiner Schubladen zugeordnet, ich bin für Dich kalkulierbar. Wir führen das Gespräch weiter, meistens so:
 „Ach und dann musst du kein Kopftuch tragen?“
„Cool, dass du trotzdem ein Bier trinkst.“
„Gibt es bei Euch nicht immer richtig leckeres Essen?“
„Mensch, da müssen wir aufpassen, dass wir uns nicht mit deiner arabischen Großfamilie anlegen!“
Ich könnte Bücher mit solchen Sprüchen füllen, manch einer ist gar nicht so harmlos wie die genannten Bespiele. Ich soll lachen und scherzen. Manchmal tue ich das auch. Oft genug lasse ich es geschehen, weil ich nicht die Spielverderberin sein will.

Aber viel häufiger bleiben meine Gedanken stehen. In diesem Land bin ich geboren, das ist meine Heimat. Doch werde ich wieder nur auf mein Aussehen und mein Anders-Sein reduziert.

Ich bin es leid, darauf aufmerksam gemacht zu werden.

Ich will, dass meine Antwort – egal wie sie ausfällt – respektiert wird. Die Frage meiner Herkunft ist genauso persönlich für mich wie andere Dinge meines Privatlebens. Wenn ich mich danach fühle, dann teile ich diese Information mit Dir. Wenn ich nicht darüber reden möchte, dann will ich mich nicht schlecht fühlen, nur, weil Du nicht verstehst, dass die Frage nach der Herkunft meiner Familie nicht einfach oder leicht für mich zu beantworten ist.

Denn meine Familie passt halt nicht in eine einzige Schublade. Sie ist vielfältig, bunt und bedient bestimmt auch so manches Klischee.

Wie erschreckend es doch ist, im Gespräch über diesen Text zu bemerken, welche ähnlichen Erfahrungen meine Geschwister und meine Eltern mit alltäglichem Rassismus gemacht haben. Darüber unterhalten haben wir uns noch nie – und doch ist es befreiend, nicht alleine mit seinen Gedanken zu sein.

Ich weiß, es gibt viele Menschen, die aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres Migrationshintergrunds, ihres Geschlechts, ihrer Religion, ihrer ganz persönlichen Einschränkung noch viel schlimmer von Ausgrenzung, Hass und Rassismus betroffen sind als ich. Ich teile dennoch diese ganz persönlichen Erfahrungen, um dazu beizutragen, dass Facetten aufgezeigt werden, ohne den Rassismus gegenüber anderen zu relativieren.

Ich bin mir meiner eigenen Vorurteile bewusst, denn kein Mensch kann sich von ihnen freimachen. Ich reflektiere sie, stelle meine Denkmuster kritisch in Frage und kämpfe aktiv gegen meine eigenen „Schubladen“ an. Ich höre zu, unterhalte mich, lerne andere Menschen kennen.

Versuche es doch mal selbst.

Oder frage Dich: Was denkst du jetzt über meine Familie?

Jasmin Könes