Ostersonntag

„Am ersten Tag der Woche kamen sie (die Frauen) in aller Frühe zum Grab, als eben die Sonne aufging.“ Mk 16,2

Der Wecker klingelt sehr früh. Draußen ist es kalt, ich ziehe den Mantel eng um meine Schultern, gehe zum Strand hinunter und setze mich auf einen Stein. Gebannt schaue ich auf den Horizont. Endlich sehe ich einen kleinen roten Streifen, schließlich einen kleinen intensiv roten Punkt, der größer und größer wird. Glühend steigt die Sonne wie ein Feuerball aus „ihrem Wasserbett“ auf.

Dieses imponierende Erlebnis verbindet mich mit Milliarden von Menschen auf unserem Planeten heute und seit tausenden von Jahren. Ich bin froh, mich überwunden zu haben und aufgestanden zu sein. Auferstehung erleben setzt voraus, dass ich mich erhebe und auf den Weg mache, dass ich Geduld aufbringe und den richtigen Moment wahrnehme.

Apropos mich erheben und auf den Weg machen: In diesen Zeiten, wo die gewohnte Lebensstruktur vieler Menschen, Alleinstehende und Familien, keinen Bestand mehr hat, müssen neue Verhaltensweisen eingeübt werden. Eine negative Folge kann durchaus darin bestehen, sich emotional von Mitmenschen zu distanzieren. Menschen werden nicht mehr gesehen und gegrüßt. Schlimmer: Frauen und Kinder sind in dieser Zeit verstärkt häuslicher Gewalt ausgesetzt. Der UN-Generalsekretär thematisiert es, Bundesfamilienministerin Giffey befürchtet Schlimmes, Beratungsstellen schlagen Alarm. Dieses Thema zu Ostern?

  • Weil Menschen, die heute mit Gewalt konfrontiert werden, nicht die Frohe Botschaft erfahren, die aufrichtet und befreit.
  • Weil wir auch in diesen Zeiten unsere Mitmenschen aufmerksam in den Blick nehmen dürfen und weil uns die Not unserer Mitmenschen nicht egal sein darf.
  • Weil Wegsehen scheinheilig ist und jegliche eigene Ostererfahrung zerstört.

Dietmar Prielipp, Geistlicher Leiter

Hinweise

Vielleicht finden sich ja heute einige Minuten, um sich im Internet https://www.kein-kind-alleine-lassen.de/ hierzu schlauer zu machen. Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0111 / 0800 111 0222. Beim Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ erfolgt unter der Rufnummer 08000 116 016 an 365 Tagen zu jeder Uhrzeit anonym und kostenlos Beratung.