Impuls der Woche

Heilig?

Vor einigen Tagen wurde ich gefragt, ob ich die Heiligsprechung Adolph Kolpings befürworte. Nun, eine Antwort wollte ich nicht auf die Schnelle geben. Antwortversuche bekannter und traditioneller Art sind für mich oft widersprüchlich und über die Jahre hinweg habe ich mir eine eher skeptische Haltung angeeignet.

Was bedeutet Heilig-Sein für mich? Was ist mir heilig? Wie halte ich es mit den Heiligen der Katholischen Kirche? Solange ich darüber nachdenke, was mir heilig ist und was anderen Menschen, finde ich schnell Einsicht und erklärende Worte. Ja, mir sind Vorstellungen und Gegenstände heilig: Mein Glaube an Jesus Christus; aber auch eine Tonbandaufnahme mit der Stimme meiner Oma. Für manche Kinder sind es Kuscheltiere und für Erwachsene die Ordnung, das Auto oder wertvolle Gegenstände.

Wenn ich auf heiliggesprochene Menschen schaue und in der Folge auf die Verehrung von Reliquien und Heiligtumsfahrten, finde ich persönlich dazu kaum Zugang. Ich weiß, dass Menschen Vorbildern für ihr eigenes Leben große Bedeutung beimessen, bieten sie ihnen doch Orientierung und können bei der individuellen Identitätsfindung helfen. Für manche werden Vorbilder zu Idolen, seien es Musiker, Fußballspieler oder andere bekannten Personen. Die Heiligsprechung vonseiten der Katholischen Kirche habe ich mir vorgenommen nicht zu bewerten, da sie im Kontext der jeweiligen Zeit getätigt wird. Im Rückblick frage ich mich allerdings bei manchen Heiligsprechungen, warum diese manchem Menschen widerfahren ist und wie er diese für sich bewerten würde Würde gerade Adolph Kolping, der so Vieles bewegen wollte, dreierlei Kult um seine Person gutheißen?

Fragen für eine kurze Beschäftigung mit dem Thema sind:

Ist mir und in den anderen Menschen wirklich etwas heilig, unantastbar, nicht greifbar, so hell, dass es nicht zu begreifen ist?

Kann für mich das Heilige eine Schutzzone des Lebens und eine unversiegbare und unverfügbare Quelle sein?

Helfen mir Heilige auch in Enge und Bedrängnis, meinen Weg zu gehen und den Glauben nicht zu verlieren?

Dietmar Prielipp