Wer an diesem Sonntag einen katholischen Gottesdienst besucht, die/der hat Chancen, das Evangelium von den Emmausjüngern (Lukas 24,13ff.) zu hören: Nach Jesu Kreuzigung halten es zwei seiner Jünger nicht mehr in Jerusalem aus und begeben sich nach Emmaus. Unerkannt kommt der auferstandene Jesus dazu, sie klagen ihr Leid, er lässt sich alles erzählen und bietet den beiden seine Deutung des Ganzen an. In Emmaus gewinnen sie den noch immer unerkannten Jesus dazu, mit ihnen im Gasthaus einzukehren. Nach einem sicher wortreichen Tag ist es eine Handlung (Brotbrechen) und kein Wort, in der die beiden endlich ihren geliebten Jesus erkennen. In diesem Moment ist er nicht mehr da. Die beiden sind wie ausgetauscht. Ihre Trauer ist verflogen. Jetzt haben sie seine Auferstehung verstanden und gehen zurück und gleichzeitig gehen sie mutig vorweg – zu den anderen.
Ich liebe diese Geschichte. Sie zeigt -wie so oft (!) in der Bibel-, dass sich „Gott/Glauben ereignet“, wenn Menschen unterwegs sind und nicht zu Hause oder sich aufmachen:
Das Volk Israel ist 40 Jahre unterwegs. Abraham macht sich auf in das gelobte Land. Jona reißt aus und landet in einem Wal. Jakob flieht von zu Hause. Mose wächst bei Fremden auf. Josef und Maria sind unterwegs nach Betlehem, Jesus predigt wandernd und ebenso seine Jünger, die ihre Familien verlassen haben,… .
Unterwegs sein, nicht bleiben, wo man ist. Nicht nur körperlich in Bewegung bleiben, auch mental. Sich nicht einrichten – zumindest nicht für ewig. Das sind offenbar die besten Voraussetzungen, um Gott nahe zu kommen.
Ich „befürchte“, dass wir als Gemeinschaft der Glaubenden, um Kirche einmal anders zu benennen, uns immer weniger einrichten können. Wir kommen aus den Transformationsprozessen nicht mehr raus. Wir sind nie fertig.
„So ein Glück!“, sage ich ganz tapfer. Wie gut, dass wir in den Verbänden wie dem Kolpingwerk, agil unterwegs sein wollen. Immer der Lebenswelt und den Menschen verpflichtet, die wir vorfinden. Unsere Gründung geht auf die WANDER-Gesellen zurück. Menschen, die unterwegs waren! Unterwegs!
Geographisch sind die beiden Jünger zurück gegangen, aber haben sie einen gigantischen Schritt nach vorne gemacht – in ein ganz anderes Jerusalem.
Also los, heute gerne mal ´raus und „üben“ unterwegs zu sein. Bitte nicht allein!
Treu Kolping!

