(besser noch das Ganze als Audio-Datei hören)
Im Gespräch mit meiner Tochter, die ein Projekt mit einer Kollegin auf den Weg bringen möchte, in dem Frauen gecoacht bzw. gefördert werden und sich gegenseitig bestärken, ging es um ungenutzte Potentiale.
Menschen können was. Aber gar nicht so selten reicht es ihnen, ihr eigenes Potential zu besitzen, ohne es auch überhaupt einzusetzen. Ja, aber warum?! Diese Potentiale sind doch großartige menschliche Ressourcen. Die setzt man doch ein!
Eben nicht immer. Wenn das eigene Zutrauen in das eigene Vermögen Stress und Unsicherheit hervorruft, weil man bzw. Frau früher oder später scheitern könnte. Gar nicht so selten geben sich Menschen damit zufrieden, dass sie es ja tun KÖNNTEN. Dieses Gute Gefühl reicht offenbar. Es kommt nicht zu einem Beweis und schlimmer, es kommt nicht zu einem Ergebnis oder gar Erfolg.
Dann braucht es irgendeine eine Form von Zuspruch, Ermutigung von außen, dass wir bereit sind, dieses vermeintliche Risiko einzugehen.
Wie bei der sogenannten „blutflüssigen Frau“ (Lukas 8,43-48), die unbedingt von Jesus geheilt werden wollte und sich darauf beschränkte, allein das Gewand von Jesus zu berühren, damit sie von ihrem langjährigen Leiden erlöst wird. Sie hat in Kauf genommen, dass Jesus sie vielleicht nicht bemerkt. Niemand, der sie bestärkt und sie unterstützt hätte. Und hier geht es nur um die Kraft, fremde Hilfe zu beanspruchen und nicht, sich selbst zu helfen. Jesus spürt es NATÜRLICH, nimmt sie wahr, und sie ist geheilt.
Vielleicht sollte diese Bibelstelle auch nur den großen Glauben dieser Frau schildern. Aber mir fiel diese Geschichte sofort ein, als ich total zuversichtlich nach einer biblischen Bestätigung gesucht habe: Wir sollen groß werden und nicht klein bleiben. Wir können uns etwas zutrauen.
So muss gewissermaßen erst die Entscheidung bestärkt werden, mit dem loszulegen, was in uns steckt. Nur mit der Aussicht, dass wir es könnten, wenn wir wollten, dürfen wir uns nicht zufriedengeben. Mensch, wir wollen doch ein „Leben in Fülle“.
Dann beginnt Coaching doch erst im Kopf, bevor es an irgendwelche Methoden oder so geht.
Das noch zum Schluss: Wieviel Glaubenspotential schlummert in den Menschen. Ich glaube viel, auch wenn man aus kirchlicher Sicht den Eindruck haben könnte, der Glaube an Gott „löst sich auf“. Sind wir bei Kolping nicht auch so ein Projekt und ermutigen die Menschen, anzufangen ihr (Glaubens-) Potential zu nutzen. Unsere PRODIA und unser Bildungswerk sind ganz sicher „Potential- und Menschenliebhaber“!!
Treu Kolping!

Michael Kock, Geistlicher Leiter im Kolpingwerk Aachen.
(für die Erwachsenen im Gesamtverband und genauso für die Kolpingjugend.)
