Impuls zur Woche

Mitten im Alltag

Vor gut dreieinhalb Jahren habe ich einen Text geschrieben, der eine Unterbrechung meines Lebens beschreibt. Von jetzt auf gleich ist nichts mehr, so wie es vorher gewesen ist. Jede*r, so glaube ich, kennt diese Situation und es tut gut, in der Erkenntnis innezuhalten und – wer es so mag – dies in Worte zu fassen; denn diese helfen der Erinnerung. In den Corona Monaten habe ich mich oft an diese Zeilen erinnert. Jedoch ein kleiner Unfall am letzten Sonntag bringt mich nun dazu, mich diesem Text wieder zu stellen.

Mitten im Alltag
auf dem Weg von A nach B
schon im Hinterkopf
die Fahrt nach C
suche ich im Fluss
der Menschenmenge
einen Weg
der mich schnell sein lässt
damit ich keine Zeit verliere
weil alles so wichtig
weil alles so unaufschiebbar
weil ich doch unverzichtbar bin

auf dem Weg von A nach B
schon im Hinterkopf
die Fahrt nach C
achte ich im Fluss
der Menschenmenge
nicht auf den Weg
mein Fuß knickt um
Schmerz jagt fort
was alles so wichtig
was alles so unaufschiebbar
dass ich doch unverzichtbar bin

auf dem Weg von A nach B
nicht mehr im Hinterkopf
die Fahrt nach C
sitze ich
mit Tränen im Gesicht
verzweifelt auf der Straße

unterwegs nach Hause
begreife ich erst später
welch Wahnsinn ich aufgesessen
unterwegs nach Hause
begreife ich erst später
den Wert der Zeit

Dietmar Prielipp

Hinweis

Für diejenigen, die es in den letzten Monaten nicht angedacht und geschafft haben:

  • sich etwas Zeit nehmen; einfach beginnen zu notieren,
  • was sich im konkreten Leben verändert hat und
  • wie die eigene Veränderung vonstattengegangen ist und vielleicht:
  • was wünsche ich mir an Veränderung, die bleibt